Metapi

Denkanstöße

"Die Mathematik ist das Alphabet, mit dem Gott die Welt geschrieben hat." (Galileo Galilei) oder: Vom mechanistischen zum relativistischen Weltbild – ein Zuwachs an „Freiheit“?

 

- die neueren physikalischen Theorien brechen mit dem vorstellungsgebundenen Denken

- es gibt nichts „Festes“: keinen absoluten Bezugspunkt

- was für verschieden gehalten wurde, hat (immerhin) dieselbe Wirkung (Energie und Masse, Beschleunigung und Gravitation)

- physikalische Theorien wissen um ihre Grenze: Sie beschreiben erst die Zustände (ab einem unvorstellbar kurzen Zeitraum: Planck-Zeit) nach dem Urknall.

- Grundfragen (unendliche Expansion des Universums oder letztendliche Implosion) können nicht entschieden werden

- Naturwissenschaften wissen um ihren Theoriecharakter.

- Viele ihrer Theorien sind heute noch nicht überprüfbar.

- Stand der Diskussion: theoretischer Agnostizismus bei individueller Gläubigkeit/Ungläubigkeit

- Individuell gesehen muß ich auch die Theorien der Naturwissenschaften glauben (im Sinne von: auf Autorität hin annehmen).

- Naturwissenschaftler stellen (und beantworten manchmal auch) „theologische“ (eigentlich und traditionell: philosophische) Fragen: Gibt es einen Grund für die Existenz des Universums? Hatte Gott eine Wahl? Hat unser Denken überhaupt mit der Wirklichkeit zu tun?

 

Theologisch/philosophische Erinnerungen:

- Glaube und Wissen nicht notwendig kontradiktorische Gegensätze, sondern Aspekte

vgl. Augustin: „cum assensu cogitare“, Alexander von Humboldt: „Ein frühes Ahnen geht dem späteren Wissen voraus.“

 

Rückfragen:

- Warum sind Gläubige ganz offensichtlich nicht dem wissenschaftlichen Weltbild zufrieden?

Problem: massiver Verlust des Gottesglaubens als des Schöpferglaubens bei gleichzeitiger Vergöttlichung der Natur: „Mutter Erde“

- Kann man von Schöpfung anders als nur konfessorisch (1. Artikel des Glaubensbekenntnisses) reden? wichtiger Hinweis: (nicht)trinitarisches Defizit der traditionellen Schöpfungstheologie

 

-Dialogmöglichkeiten? wenn Naturwissenschaft und Theologie über ihre jeweiligen Grenzen gehen (philosophieren) und die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Naturwissenschaften freilegen

 

These: Das nachnewtonsche Weltbild denkt die empirische Anschaung.

 

 

Vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild –

Die Frage nach dem „großen Schock“ für die Menschen

 

empirische Daten des Galilei unzureichend  > Frage: Gibt es theoretische, nicht-empirische Grundlagen eines physikalischen Gesetzes?

Verletzung einer bestimmten Philosophie, also der aristotelischen Metaphysik: Ruhe ist ‚mehr‘ als Bewegung.

Verletzung des menschlichen Ego: Der Mensch sieht sich selbst nicht mehr im Mittelpunkt der Welt. (vgl. die ‚Kritik‘ am wissenschaftlichen Weltbild - ohne Hinweis auf den Glauben - durch Einführung des anthropischen Prinzips)

Das wirkliche Schicksal des Galilei bleibt hinter dem ihm unterstellten zurück: Hausarrest

Römische Darstellung des ‚Falls Galilei‘: nicht in erster Linie ein Streit um die Gültigkeit des einen oder des anderen Weltbildes, sondern: Galilei hat einen Erlaß des Heiligen Offiziums mißachtet!

 Hinweis auf Andreas Osianders Rezeption der Schrift des Kopernikus als ‚Hypothese‘

 

Genesis 1,1-2,4a – Rezeption oder (auch) Korrektur des altbabylonischen Weltbildes?

These: keine nat. Aussagen intendiert, sondern ‚eigener‘ Mythos: Der Gott, der uns aus Ägypten herausgeführt hat (und uns auch aus Babylon befreien wird) ist der Schöpfer der ganzen Welt („Himmel und Erde“).

Stand der Exegese: Lied von der Schöpfung, Ziel der Sabbat

das Problem von Fragen und Antworten: falsche Erwartungen?

Lobpreis des Schöpfers im modernen Weltbild: vgl. Texte von Ernesto Cardenal und Hans Frör

 

 

 

Das Problem der Evolution: Wo liegt der ‚Punkt‘ und wo das Problem? 

nicht Evolution für sich genommen, sondern Beunruhigung von Christen wegen der Mechanismen der Evolution: Selektion (survival of the fittest), Tod (Extinktion) – aber muß in biblischer Tradition nicht auch Gott als Schöpfer und Zerstörer gedacht werden(vgl. Sodom und Gomorrha, den Exodus, die Rotte Korah, Elia und die Baalspropheten]

Kann das Wirken der evolutiven Mechanismen wirklich beobachtet werden? Oder nur die Entwicklung von Lebewesen? 

Sind die Mechanismen der Evolution schon präzis genug beschrieben? Sind sie nicht dialektischer, weniger passiv zu interpretieren? (keine Totalanpassung im Sinne totaler Spezialisierung, sondern Generalisierung, eher Flexibilität als passive Anpassung)

Physiker sprechen (in Modellen) von ‚non-greedy‘ Algorithmen (Evolution als Optimierungsalgorithmus) zum Verständnis der Evolution: Auch zeitweilige Verschlechterungen wahren die Chance auf Optimierung.

Verdacht unreflektierter Anthropomorphismen: Zufall, Sinnlosigkeit

Gibt es weitere Mechanismen der Evolution? Gegenwärtig werden einige zusätzliche Mechanismen ins Spiel gebracht: Solidarität („Nächstenliebe“), Glaube…, zusätzlich ist ein Evolutionsvorteil manchmal auch ein Nachteil (z.B. das Protein Neu5Ac, das bei Menschen, nicht aber bei Schimpansen vorkommt und unsere Krebsanfälligkeit verstärkt)

Neue Thesen von Biologen: Religiosität als Ergebnis der menschlichen Evolution…

Die Entgegensetzung von „nur Theorie oder Faktum“ kehrt bei den Kreationisten wieder: unausgesprochen (und unbearbeitet) werden Fakten für „wahrer“ gehalten als Theorien (‚bruta facta‘ - Theorien als gedeutete Beobachtungen).

Trotz verbaler Aufnahme wissenschaftlicher Begriffe ist der Streit um den Kreationismus primär ein theologischer Streit - um das Verständnis der Bibel, und auch ein (meist nicht so deutlich geführter) Streit um das Verständnis von Wahrheit („historisch-faktisch“).

 

Weiß die Physik (weil sie mit - mathematischen - Modellen arbeitet) besser als die Evolutionsbiologie um ihren Theoriecharakter?

 

Was also hat der Debatte über Darwins Theorie ihre Leidenschaft verliehen?

Kränkung des menschlichen Ego mindestens so gewichtig wie der „Widerspruch zur Bibel“

Reproduktion als „1. Gebot“

 

Thesen zum Umgang mit abweichenden Schilderungen in der Bibel: für die Menschen von früher bestimmter Text (Gedankenexperiment: wie hätte es wohl gewirkt, wenn man den Glauben an Gott mit Theorien/Weltbildern des Jahres 3000 bekannt hätte?)

Die Bibel formuliert (anscheinend unbekümmert) Widersprüchliches (> Suche nach dem „Kern“: schlechte Metapher, besser z.B. Luther: Evangelium, Jesus Christus; oder Denken in Aspekten

 Auch ‚Schöpfung‘ muß vom Verständnis des trinitarischen Gottes her gedacht werden und nicht ohne den Glauben an diesen Gott.

Naturwissenschaftliche Aspekte verändern die zeitgebundene Selbstauslegung des Glaubens: Freiheit, Krone der Schöpfung - solche Begriffe müssen anders als aufklärerisch oder philosophisch idealistisch gedacht werden. (engin agathon-ka)

 

 


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